Alpine Seiten im Okertal

Text und Foto von Max Ninow

Oktober 2019. Zum Sportklettern an den Felsen wird das Wetter langsam zu schlecht, aber die Kletterhallen machen nicht auf – nach wenigen Wochen machen sich erste Entzugserscheinungen bemerkbar.

Auf der Suche nach einer Lösung ließ mich bald die Kombination aller langen Grate im Okertal nicht los, die einst Richard Goedeke zum alpinen Training in seinem Kletterführer zusammengestellt hat. Unter Zuhilfenahme des aktuellen Werkes war schnell eine aktualisierte Tour geplant. Mit meinem Bruder, der bei dem Wetter zumindest zu leichten Gratklettereien bereit war, ging es dann ganz fix an die Umsetzung. Einige Routen wie der Westpfeiler am Ziegenrücken oder der Westgrat am Kurfürst waren uns als gängige Mehrseillängentouren schon bekannt. Der Treppensteingrat als Kombination mehrerer Felsüberschreitungen stand als nächstes auf der Liste. Man steigt hier solo direkt am Bordstein beim Savage Pillar ein, weiter geht es an mittelmäßigem Fels mitten durch den Wald über den Savage Crag. Die Krönung setzt dem Ganzen die Harzchausseewand auf, bei der wir uns zum ersten Mal Moosanker für die bessere Fortbewegung und Sicherung im vertikalen Grün gewünscht haben. Wer lieber an Fels klettert, der hat angefangen am Drachenturm bis zum Treppenstein allerdings dicht hintereinanderliegende Premiumrouten.

Wo hier der Weg zumindest immer gut zu finden war, stellte uns dies anderswo vor ungeahnte Herausforderungen. So haben wir den Scheckengrat trotz Kletterführer und GPS auch nach mehrfacher Suche nicht wirklich gefunden. Auch beim Uhuklippengrat ist der Einstieg nicht direkt ersichtlich.

Die Rabowklippe alias „Okertaler Matterhorn“ hingegen ist gar nicht zu übersehen und mit dem brüchig anmutenden Devonkalk auch eine willkommene Abwechslung zum Okertaler Granit. Belohnt wird man bei diesem tatsächlich alpin anmutenden Weg sogar mit einem Gipfelkreuz. Achtung, wie auch die Straßenbaubehörde zuletzt feststellen musste ist die Rabowklippe immer ab dem 01.02. zur Vogelbrut gesperrt. Auch bei den anderen Graten sollte man vorab schauen, ob Felsbereiche (zeitweise) gesperrt sind.

Erwähnenswert ist auch noch die logische Aneinanderreihung von Eschwege, unterer Studentenklippe, oberen Studentenklippen und Wildalmkirchl. Hier finden sich schier unendliche Routenvariationen und der Wildalmkirchl bietet ein schönes Gipfelerlebnis.

Die langen Grate im Okertal laden nicht nur bei schlechtem Wetter zum Klettern ein, sondern sind sicherlich auch im Sommer eine gute Alternative zu den stark frequentierten Routen und bieten ein alpin angehauchtes Erlebnis im Okertal. Da wie üblich im Okertal auch die leichten Grate meist Clean sind und nicht immer gebohrte Stände aufweisen, ist Erfahrung im Umgang mit mobilen Sicherungsmitteln- und Ständen Pflicht.

Eine vollständige Zusammenstellung der Tour zum Nachklettern findet sich unten.

FelsenHinweisKommentar
AdlerklippeGratweg von Bismarkplakette bis zum oberen Gipfel, Abseilen oder AbsteigenKlassischer leichter Grat, sehr lang, weitestgehend auf Fels
Überhangfels, Passo di Ball, Klumpen, Tofana, KunzGratweg am Überhangfels, stück Abseilen und über den Gratweg auf den Passo di Ball, abseilen. Klumpen liegt auf dem Weg, lohnt aber nicht, z.B. über die Ostwand auf die Tofana, absteigen zum Kunz, hier lieber eine der leichten Routen im südlichen Wandteil, die Nordwand ist sehr grün.Nette Aneinanderreihung von Graten mit Abseilstellen, diverse Varianten
Löwe, Uhuklippez.B. über Ostwand auf den Löwen, weiter gehen bis zur Uhuklippe hier über den Gratweg bis zum Gipfel, abseilen. Sperrzeiten der Uhuklippe wegen Vogelbrut beachten!Klassische Mehrseillänge am Löwen mit gebohrtem Stand, Einstieg von Gratweg nicht offensichtlich, viel Vegetation auf dem Grat, zum Schluss interessante Kletterei
Wasserfelsz.B. über Wasserriss bis zum Umlenker und von da über Südost-Seite absteigenWassernahe, nette Kletterei
Großer Dülferklotzggf. Dülferklotzsockel überschreiten, weiter über Ostgrad bis auf großen Dülferkopf. Absteigen über Normalweg oder AbseilenLanger schöner Grat mit gebohrtem Stand
Marienwandz.B. über Südost-Grat auf Marienwand, 2-fach abseilen oder AbsteigenUnspektakulär am Rand der Wand nach oben
ScheckenkopfgratNach mehrfacher Suche ist tatsächlicher Gratverlauf unklar, gefundene Teilstücke stark bewaldet
RabowklippeÜber Westgrat bis zum Mittelgipfel und Abseilen, oder weiter zum linken Gipfel und absteigen. Sperrzeiten wegen Vogelbrut beachten!Der alpinste Grat (teils brüchig) im Okertal mit Gipfelkreuz, gebohrte Stände
KurfürstÜber Westgrat nicht ohne Anspruch bis zum Gipfelblock, abseilenKlassische schöne Mehrseillänge mit gebohrten Ständen
Savage Pillar, Savage Crag, Harzchausseewand, Drachenturm, Drachenkind, Falterwand, Treppensteinturm, Klotz, TreppensteinSavage Pillar – Harzchausseewand als Grat unlohnend, Drachenturm und Falterwand mit vielen schönen Varianten überqueren, Treppensteinturm z.B. über Fahrrolle Bergmannstrost durchsteigen, Klotz lohnt nicht, dann über Westgrat bis zur AussichtsplattformBis auf Westgrat zum Schluss eher kurze aber schöne Kletterrouten. Ab Drachenturm sehr lohnenswert
Eschwege, Untere Studentenklippen, Bollwerk, Wildalmkirchlz.B. über Talseite auf Eschwege, vom Gipfel weiter bis untere Studentenklippen laufen, diese über diverse Routen überschreiten, oder über Rampe hochqueren, Bollwerk im rechten Wandteil auf kurzen Routen überschreiten und zum Schluss z.B. über Westwand auf Wildalmkirchl, abseilenAneinanderreihung kurzer Routen, bis auf unerwartet langen Weg über Eschwege mit Gipfelfeeling auf dem Wildalmkirchl
Ziegenrückenüber Nordwestgrat oder einfacher über Westpfeiler bis zum GipfelSchöne Routen zum ausgesetzten Gipfel